Die Geschichte des Greizer Parks

Greiz im Jahre 1845 (Thüringer Staatsarchiv Greiz)
Greiz im Jahre 1845 (Thüringer Staatsarchiv Greiz)
Die ersten zwei Jahrhunderte des Greizer Parks

Von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts ist am Ufer der Weißen Elster, unterhalb des Greizer Schlossbergs, ein „Lust- und Küchengarten“ nachweisbar. Er diente, wie der Name belegt, sowohl der Versorgung der Hofküche als auch der Vergnügung der Hofgesellschaft. Erst ab 1714, als Graf Heinrich II. Reuß ä.L. (1669–1722) im Bereich des heutigen Sommerpalais eine dreiflügelige Schlossanlage errichten ließ, wurden die Gartenanlagen zwischen Schlossberg und Elsterbogen in symmetrischer Ausrichtung auf den Vorgängerbau des Sommerpalais aufwändig gestaltet.

1743 begann für den „Obergreizer Lustgarten“ eine neue Gestaltungsphase, die mit der Regierungszeit Heinrich XI. verbunden ist und bis 1800 währte. Nach der Zusammenführung der beiden Herrschaftshäuser Unter- und Obergreiz gestaltete er die Residenz systematisch um, errichtete 1769 das Sommerpalais und gründete die Hofbibliothek. Mit dem Bau des Sommerpalais als Sommersitz und Orangerie wurden auch die umgebenden barocken Gartenanlagen neu gestaltet und nach Norden hin erweitert. Deren unregelmäßige, kleinräumige Gestaltung mit den geschlängelten Wegen und kleinen Kabinetten erinnerte an die originelle Formensprache des Rokoko, ist aber auch ein erster Hinweis auf die neue Strömung, Gärten im landschaftlichen Stil anlegen zu lassen.

1799 zerstörte ein Hochwasser der Weißen Elster den "Obergreizer Lustgarten".

Unter Fürst Heinrich XIII. Reuß ä.L. (1747–1817) begann ab 1800 die Neuanlage des Gartens nach englischem Vorbild. Sein Nachfolger, Heinrich XIX., bemühte sich in vielfältiger Weise um die weitere Entwicklung des Parks. Er engagierte den Kaiserlich-Königlichen Schlosshauptmann Johann Michael Riedl von Leuenburg aus Laxenburg bei Wien, nach dessen Plänen ab 1827 die Ausgestaltung der Greizer Parkanlage auf den gesamten Talkessel bis zum sogenannten Sauwehr hin erweitert wurde. Erstmals bildete das Sommerpalais mit der umgebenden Tallandschaft eine gestalterische Einheit. Es entsteht das Pinetum. Heinrich XIX. ließ die Anlagen am Sommerpalais mit Blumenbeeten ausschmücken und den Garten ab 1830 für „anständige und gesittete“ Besucher öffnen.

Ansicht des Sommerpalais und des Küchenhauses von Westen. Gouache, vor 1800. (© Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz)
Die weitere Entwicklung unter Heinrich XXII. Reuß ä.L. bis heute

Von 1870 bis heute

Aufgrund der starken wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Greiz sollte 1872 eine Eisenbahnlinie gebaut werden. Die anfangs geplante Trasse verlief quer durch den herrschaftlichen Park, was Fürst Heinrich XXII. kategorisch ablehnte. Man einigte sich auf eine Variante entlang der östlichen Parkgrenze, durch den Schlossberg über die Elster. Der Fürst forderte einen Plan zur Wiederherstellung der vom Eisenbahnbau betroffenen Parkbereiche und zur Maskierung des Bahndamms. Mit Geldern der Eisenbahngesellschaft konnte das Projekt 1872 einem der führenden deutschen Landschaftsgärtner und Muskauer Parkdirektor, Carl Eduard Petzold (1815–1891), übertragen werden. Petzold schlug die großzügige und weitläufige Überformung der bestehenden Anlagen vor. In diesem Sinne wollte er die Raumgliederung sowie die Wege und Gehölzpflanzungen verändern. Er plante neue Sichtachsen und die Auflösung alter, begrenzender Strukturen, wie etwa der Alleen - die Ära des spätklassizistischen Landschaftsparks beginnt.

Zur Ausführung in dieser Form kam es jedoch nicht. Am 1. März 1873 nahm Petzolds Mitarbeiter Rudolph Reinecken (1846–1926) auf eigenen Wunsch die Stellung als Hofgärtner in Greiz an. Er veränderte mit Zustimmung des Fürsten die Petzold’schen Planungen zugunsten einer kleinräumigeren Gliederung und einer größeren Vielfalt an Pflanzenarten, -farben und –formen. Unter seiner Leitung wurden alle Bereiche des Parks umgestaltet. Reinecken, der z.B. auch eine Methode zur Großbaumverpflanzung entwickelte, war insgesamt 50 Jahre für den Greizer Park verantwortlich und prägte dessen Entwicklung nachhaltig. Ihm war zwar nie ein so großartiger Entwurf wie derjenige Petzolds gelungen, doch steigerte er die Qualität der Anlage hinsichtlich der Vielfalt und Abwechslung erheblich. Aus heutiger Sicht ist es Reinecken zu verdanken, dass viele wertvolle Bestandteile des Parks aus der Zeit vor 1850, wie zum Beispiel die Seufzerallee, erhalten geblieben sind.

Nach der Abdankung des reußischen Fürstenhauses 1918 ging der Greizer Park zunächst in den Besitz des Volksstaates Reuß und dann 1920 an das Land Thüringen über.

1926 legte der Verein Deutscher Rosenfreunde, Ortsgruppe Greiz, nordwestlich des Parksees einen circa 3000 qm großen Rosengarten an, der in den folgenden Jahrzehnten wieder verwilderte.

1927 übernahm der Gartenmeister Wilhelm Scholz aus Weimar die fachliche Leitung des Parks. Der strenge Winter 1928/29 verursachte im Gehölzbestand, insbesondere im Pinetum, erhebliche Schäden. Finanzielle Engpässe, eine deutliche Reduzierung von Sommerblumenpflanzungen ab 1942 und insgesamt ein kritischer Pflegezustand kennzeichneten die Kriegsjahre. Zudem wurde infolge des Luftangriffs auf Greiz am 6. Februar 1945 das Sommerpalais, das Küchenhaus sowie eine Reihe von Parkbäumen beschädigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Park an die Stadt Greiz übertragen. Willi Zeiß, ab 1927 im Park beschäftigt, übernahm die fachliche Leitung. Auf einer Stadtverordnetenversammlung wurde der Greizer Park 1950 zum Kunstdenkmal erklärt und in „Leninpark“ umbenannt.

Die Hochwässer der Weißen Elster 1954 und 1955 führten zu erheblichen Schäden im Park.

Am südlichen Parkeingang stellte man 1971 ein Faschismus-Mahnmal auf. 2007 wurde es im Zuge der Neugestaltung des Parkeingangs (Begleitprojekt der BUGA 2007) auf den alten städtischen Friedhof versetzt.

Mitte der1970er Jahre beauftragte die Stadt Greiz die Landschaftsarchitektin Christa Bretschneider mit dem Aufmaß der Parkanlage sowie der Erstellung eines Baumkatasters. Sukzession und Stürme hatten zum Verlust ganzer Baumgruppen und zur Auflösung des historischen Erscheinungsbildes des Parks geführt. Ab 1977 übernahm Bretschneider auch die fachliche Beratung der Parkverwaltung. 1977 erfolgte ein Eintrag des Parks in die Bezirksdenkmalliste. Christa Bretschneider erarbeitete 1981 die denkmalpflegerische Analyse und 1985 die darauf aufbauende denkmalpflegerische Rahmenzielstellung für den Park. Als Leitbild stellte sie die nach 1873 unter Reinecken entstandene Anlage heraus.

1986 wurde ein Teil des Parks als Flächennaturdenkmal ausgewiesen. Heute sind größere Areale der Parkanlage auch nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie unter Schutz gestellt.

1990 beschloss die Greizer Stadtverordnetenversammlung die offizielle Rückbenennung in „Greizer Park“. Das gesamte Denkmalensemble wurde 1994 an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übertragen, deren Ziel die Erhaltung, Pflege und Entwicklung des historischen Erbes ist. 2009 erhielt der Greizer Park die Ernennung zum Denkmal von nationaler Bedeutung und trägt in Anerkennung der Leistungen des fürstlichen Hauses Reuß ä.L. wieder die Bezeichnung "Fürstlich Greizer Park".

Ausführliche Informationen über die Geschichte des Fürstlich Greizer Parks finden sich in zwei handlichen Publikationen der Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten:

  • "Sommerpalais und Fürstlich Greizer Park", Amtlicher Führer, 2014, ISBN 978-3-422-02379-6 und
  • "Schätze der Pflanzenwelt im Greizer Park", Amtlicher Führer Spezial, überarbeitete Auflage 2020, ISBN 978-3-422-98607-7.

Beide sind für wenige Euro im Sommerpalais, bei der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (im Online-Shop) sowie im Buchhandel erhältlich.

Zeittafel zum Fürstlich Greizer Park

Wichtige Jahre im Lebenslauf des Fürstlich Greizer Parks

um 1650 Ein kleiner Lustgarten entsteht westlich des heutigen Parkeingangs.
1715 Der Lustgarten wird auf Veranlassung des regierenden Grafen Heinrich II. neu gestaltet.
1717-1724 Errichtung eines kleinen Sommerschlosses mit Orangerietrakt als Vorgängerbau des späteren Sommerpalais.
1769 Bau des Sommerpalais abgeschlossen. Begleitend erfolgt die Erweiterung und Umgestaltung des barocken "Obergreizer Lustgartens".
1787 Bau der Porzellanrotunde zur Aufbewahrung einer wertvollen japanischen Porzellansammlung.
um 1790 Errichtung des Küchenhauses und Bau der Heuscheune auf den Hammerwiesen.
1799 Zerstörung des "Obergreizer Lustgartens" durch ein Hochwasser der Weißen Elster.
ab 1800 Umgestaltung der barocken Gartenanlage zu einem Landschaftspark nach englischem Vorbild.
um 1822 Errichtung des Gasparinentempels aus Anlass der Vermählung des Fürsten Heinrich XIX. mit der Prinzessin Gasparine von Rohan-Rochefort.
1822 Die Porzellanrotunde wird zu einer katholischen Kapelle für die Fürstin Gasparine umgebaut.
1827-1830 Neugestaltung und Erweiterung des "Obergreizer Lustgartens" nach dem sogenannten „Laxenburger Plan“.
1830 Der "Obergreizer Lustgarten" wird für die Öffentlichkeit freigegeben.
1835 Umbau des östlichen Teils der Orangerie zu einem Hoftheater (heute Parkverwaltung).
1836 Bau der „Hirschkirche“ (Wildfutterplatz) auf der Trödenwiese links der Weißen Elster (1927 abgebrannt).
1838 Heinrich XX. lässt das „Weiße Kreuz“ ("Sophienkreuz") als Erinnerungsmal für die verstorbene Fürstin Sophie errichten.
1842 Errichtung des Pulverturms als reußisches Pulvermagazin.
1872/73 Als Folge der Planung einer Eisenbahntrasse Gera-Weischlitz durch den Greizer Park Planung zur Neugestaltung des Parks durch Carl Eduard Petzold.
ab 1873 Umgestaltung und Erweiterung des Greizer Parks unter Rudolph Reinecken.
1874 Bau des Schwanenhauses auf einer Insel im Binsenteich.
um 1874 Gestaltung des Blumengartens vor dem Sommerpalais durch Reinecken.
1881 Bau des Palmenhauses vor der Orangerie am Parkeingang.
1918 Abdankung des Hauses Reuß. Sommerpalais und Park gehen an den Volksstaat Reuß, 1920 an das Land Thüringen über.
1920 Errichtung des sogenannten Rindenhauses am Binsenteich (1961 Neubau).
1921 Gründung der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung als „Stiftung der Älteren Linie des Hauses Reuß“.
1922 Einweihung des Sommerpalais als Standort der Sammlung.
1926 Die Rotunde wird zum Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges umgestaltet. Die Großplastik eines gefallenen Soldaten ist eine Arbeit des Dresdner Bildhauers Karl Albiker.
1950 Umbenennung des Greizer Parks in „Leninpark“.
1971 Gestaltung der Platzanlage am Parkeingang mit der Bronzeplastik des Berliner Bildhauers Jürgen Raue zur Erinnerung an die Befreiung vom Faschismus.
1990 Der Leninpark wird wieder in Greizer Park umbenannt.
1994 Übertragung von Sommerpalais und Park an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.
1998-2000 Sanierung des sogenannten Küchenhauses.
2005-2011 Gesamtsanierung des Sommerpalais.
2006-2007 Neugestaltung des Parkhaupteingangs (Begleitprojekt zur BUGA 2007).
2009 Ernennung des Greizer Parks zum Denkmal von nationaler Bedeutung und, unter Würdigung der historischen Leistungen des Fürstenhauses Reuß ä.L., Bezeichnung "Fürstlich Greizer Park".
2013
Das verheerende Hochwasser der Weißen Elster verwüstet den Park und zerstört die unmittelbar vorher fertiggestellten Bereiche von Pleasureground und Blumengarten.
2016
Wiederherstellung der hochwassergeschädigten Parkbereiche und Neubau eines Betriebsgebäudes für die Parkverwaltung für 1,4 Mio. Euro (davon 100.000 € an privaten Spenden). Würdigung der gartenkünstlerischen Restaurierung des Pleasuregrounds im Rahmen der Verleihung des Denkmalschutzpreises 2016 des Landkreises Greiz.

 

Bedeutende Persönlichkeiten der Parkgeschichte - Rudolph Reinecken

Hermann Rudolph Reinecken (1846 - 1928) - der "Vater" des Greizer Parks

Rudolph Reinecken (nach einem Ölgemälde, im Eigentum der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten)

Hermann Rudolph Reinecken kann wohl mit Recht als „Vater“ des Greizer Parks angesehen werden. Denn ab 1873, mit Beginn der maßgeblichen Neugestaltung des Parks, und die folgenden 50 Jahre war er der verantwortliche Gestalter eines der gelungensten spätklassizistischen Landschaftsparks in Deutschland.   

Aus Anlass seines 90. Todestages am 4. Januar 2018 soll an diesen für Greiz so prägenden Gartenkünstler erinnert werden. 

Geboren 1846 in Ostpreußen besuchte Reinecken die Königliche Gärtner-Lehranstalt in Potsdam und arbeitete anschließend unter Carl Eduard Petzold, einer europaweit anerkannten Kapazität der Gartenarchitektur in Muskau. Der damals im Fürstentum Reuß älterer Linie regierende Heinrich XXII. engagierte 1872 Petzold, um die Folgen der Eisenbahntrassierung am östlichen Rand des fürstlichen Parks zu „maskieren“ und insgesamt eine Neu- und Erweiterungsplanung für den Park vorzunehmen. Die praktische Umsetzung der resultierenden vielfältigen Aufgaben wurde dem damals 26-jährigen Reinecken übertragen, für ein Monatsgehalt von 50 Talern.

In zahlreichen historischen Analysen streiten Experten bis heute darüber, welchen konkreten Stellenwert die Leistungen Petzolds und Reineckens für den Park haben, wem die maßgebliche Bedeutung als Parkgestalter gebührt. Zu kurz kommt dabei wohl die Rolle Heinrich XXII., der durchaus eigene Vorstellungen zum künftigen Parkaussehen hatte, möglichst jeglichen Baumverlust vermeiden wollte und überdies auch auf das finanziell Leistbare achten musste. Petzolds Plan besaß eine anerkannt hohe künstlerische Qualität, gelangte aber bis auf die von ihm vorgeschlagene gründliche Umgestaltung des Binsenteichs nicht zur Ausführung. Reinecken war es, der unter Maßgabe der standörtlichen Gegebenheiten (z.B. Nutzung weiter Teile des vorhandenen Wegenetzes) die garten- und landschaftsarchitektonische Gestaltung und Pflanzplanung eigenständig verantwortete. Besonderes Geschick bewies er bei der Artenauswahl und Platzierung der Gehölzpflanzungen, in die er auch zahlreiche dendrologische Kostbarkeiten integrierte. Bekannt wurde Reinecken auch durch den von ihm entwickelten „Verpflanzwagen für große Bäume“, der auch im Greizer Park zum Einsatz kam.

Der „Gartenkünstler“ Reinecken, wie er sich bei seinem Dienstantritt im Frühjahr 1873 in Greiz nannte, legte anschließend eine Blitzkarriere hin, „geruhte“ doch der Fürst, ihn in wenigen Jahren über die Stationen „Hofgärtner“ und „Garteninspector“ schließlich 1892 zum Parkdirektor zu ernennen.

Zielstellung der Parkeigentümerin, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, ist es, „diese Anlage in ihrer Raumstruktur, in ihrer Wirkung und gartenkünstlerischen Aussage dem nach 1873 ausgeführten Zustand wieder anzunähern“. Damit soll zugleich die eigenständige Leistung Reineckens gewürdigt werden, dem in einem spätklassizistischen Landschaftsgarten die Verknüpfung zweier gärtnerischer Welten - von Barock und Natur - gelang, und den er auch durch vielfach schwierige Zeiten gebracht und bewahrt hat. Gerade dieses „Bewahrt-Haben“ erweist sich aus heutiger Sicht als Glücksfall und ist neben Reinecken auch nachfolgenden Parkgärtnern wie etwa Scholz und Zeiss zu verdanken.

Wie talentiert und engagiert Reinecken war illustrieren auch seine zahlreichen Planungen von öffentlichen Denkmalplätzen, privaten Villenparks und -gärten und die Entwicklung des Stadtgrüns in Greiz. Zum Beispiel gehen der Greizer Stadtpark und die Lindenbepflanzung der Carolinenstraße, aber auch die „romantische“ Gestaltung des „Miniaturtälchens Elfte Stunde“ und das fürstliche Denkmal auf der Idahöhe auf ihn zurück. Beschrieben wird, dass Reinecken dank seines würdigen äußeren Erscheinungsbildes und seiner ständigen Präsenz im Park in Greiz Popularität genoss.

Heute schätzen wir sein bleibendes, lebensvolles Gartenkunstwerk „Fürstlich Greizer Park“, mit dem die Stadt etwas Einmaliges besitzt. Leben und Wirken Rudolph Reineckens sind es wert, sich tiefgründiger und ausführlicher damit zu beschäftigen. Zu hoffen ist auf entsprechende Initiativen.

Christian Wonitzki, Januar 2018

Bedeutende Persönlichkeiten der Parkgeschichte - Willi Zeiß

Willi Zeiß (1912 - 1987) - Lebenswerk Greizer Park

Gärtnermeister Willi Zeiß

Mit dem Ende der 50-jährigen Ära Rudolph Reineckens und dem Eigentumsübergang auf das Land Thüringen ergaben sich Anfang der 1920er Jahre neue Bedingungen für den Greizer Park. Glücklicherweise blieb die Anlage und ihr Charakter in den Folgejahren von gravierenden Einschnitten verschont, auch wenn neue Zuständigkeiten, kommunale Begehrlichkeiten und vor allem in der Kriegszeit Personalmangel Probleme erzeugten. So kam 1944 die Parkpflege nahezu zum Erliegen, wie eine einfache Statistik zur Zahl der im Park Beschäftigten verdeutlicht: 1882: 17 Leute, vor dem 1. Weltkrieg: 20 Leute, 1939: 8 Leute, 1943: 4 Leute.

Umso wichtiger war es, dass nach 1950, mit dem Übergang des Parks in die Rechtsträgerschaft der Stadt Greiz (von da an bis 1990 hieß er „Lenin“-Park), eine kompetente,  engagierte gärtnerische Betreuung und Leitung des Parks geschaffen wurde. Und diese ist mit dem Namen Willi Zeiß verbunden. Über fünf Jahrzehnte, damit ähnlich lange wie Rudolph Reinecken, wirkte er im und für den Greizer Park und hatte damit  einen wichtigen Anteil daran, dass die Zielstellung der heutigen Eigentümerin, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, „die Parkanlage in ihrer Raumstruktur, in ihrer Wirkung und der gartenkünstlerischen Aussage dem nach 1873 ausgeführten Zustand wieder anzunähern“ (Prof. Paulus) Realität  werden konnte.

Geboren am 29.6.1912 in Greiz-Pohlitz, aufgewachsen in einer kinderreichen Arbeiterfamilie, begann Willi Zeiß 1926 eine Gärtnerlehre im Greizer Park, die er 1929 abschloss. Nur unterbrochen durch Kriegsdienst und Gefangenschaft zwischen 1940 bis 1949 blieb er, ab 1958 offiziell als „Gartenmeister“, bis zur Erreichung des Rentenalters 1978 „seinem“ Park treu.

Mit Ehefrau Paula, geb. Lochner (Heirat 1934) und der 1939 geborenen Tochter Brigitte bewohnte die Familie mit seinem Wiedereintritt in die Parktätigkeit Räume im Erdgeschoss des Sommerpalais, ab etwa 1949 lebten Zeißens im Parkgewächshaus.

Ab 1951 gehörten neben dem „Lenin“-Park zahlreiche weitere städtische Park- und Grünanlagen zum Aufgabenbereich von Gartenmeister Zeiß, eine Mammut-Aufgabe, bedenkt man die in den DDR-Jahren permanente Mangelsituation hinsichtlich Arbeitstechnik und Arbeitskräften. Improvisationsvermögen, Können und viel Idealismus zeichneten Willi Zeiß, für den der Greizer Park Lebenswerk und Lebenssinn war, aus.     

Pflege und Erneuerung des vielfältigen Gehölzbestandes, die Anzucht von Blumenpflanzen für die Beete im parkeigenen Gewächshaus und von Sträuchern und Bäumen hinter dem damaligen Rosengarten, die Hege des Fischbestands im Parksee und den Hammerwiesenteichen, der Wiederaufbau des im Krieg dezimierten Wasservogelbestandes (1962 gab es wieder 14 Schwäne) - das sind nur Stichworte für Arbeitsvielfalt und -umfang. Dabei bedeutete die Fischernte im Parksee auch die planwirtschaftliche Erfüllung von Produktionsvorgaben, die Pflege der extensiven Wiesen (in Kooperation mit LPG-Technik) zeitigte oft zerfurchte und ramponierte Grünflächen, jahrelange Baumaßnahmen am Schlossbergtunnel, an einem Abwassersammler, zum Hochwasserschutz oder zur Neugestaltung des Parkeingangs mit dem sowjetischen Ehrenmal mussten bewältigt bzw. „ausgehalten“ werden, nicht selten gegen eigene Vorstellungen und Argumente.

Der Funktionsbestimmung des Parks als hochwertigem „Werk der historischen Gartenkunst“ die notwendige Durchsetzungskraft zu verschaffen, war somit für Willi Zeiß nie einfach. Mindestens seit Ende der 1960er Jahre beklagten Fachleute regelmäßig den zu dicht gewordenen Baumbestand, die Ausbreitung von Strauchgehölzen zuungunsten der freien Wiesenareale, das Zuwachsen von historischen Hauptsichtachsen, die Verwilderung um das Rosengartenareal, die fehlende Ertüchtigung des Wegenetzes u.a.m. Zugleich wurde die unermüdliche Arbeit der Parkgärtner unter der Leitung von Willi Zeiß gewürdigt, das landschaftspflegerisch Machbare  zu leisten. Eine städtische Arbeitsgruppe Goethe-/Lenin-Park forderte 1973 in einem Konzeptionsentwurf einerseits „für den Anfang (!) die dringend erforderliche Anschaffung eines RS 09 für die Rasenpflege“, zugleich sollten Spiel- und Sportplatzanlagen im Gelände hinter dem Rosengarten eingerichtet werden. Einen Traktor gab es nicht; bis zur Wende waren die Pflegestaus im Gehölzbestand und die unzureichende Verfügbarkeit geeigneter Technik regelmäßig Gegenstand von Berichten auch an den Greizer Bürgermeister. Ab Mitte der 1970er Jahre hatte der Park immerhin fachliche Verstärkung durch die für die Stadt tätige Gartendenkmalpflegerin Christa Bretschneider; an den genannten Defiziten im Park änderte sich kaum etwas.

Soviel zur Illustration der komplizierten, manchmal wohl auch zermürbenden Tätigkeitsumstände für Willi Zeiß. Zudem machten Elementarereignisse wie Stürme und Hochwässer häufig die Ergebnisse fleißiger Arbeit zunichte. Den Elsterfluten vom Juli 1954 fiel auch die nur Tage zuvor von Willi Zeiß neu geschaffene und gestaltete Blumenuhr am Parkeingang zum Opfer. Wenige Wochen später war sie wieder auferstanden, und eine seiner nachhaltigsten Leistungen, damals noch viereckig und mit mechanischem Laufwerk, begrüßte erneut die Parkbesucher.

Eine Nachbarin im Parkgewächshaus, Gisela Geßner, geb. Schleich (s. Beitrag zu Johannes Schleich vom 17.2.2021 unter „Neues aus dem Park“), erlebte als Kind Willi Zeiß und seine Frau als gütige und liebe Menschen. Um rascher hinter dem Haus, von  wo es keinen Zugang zur Wohnung gab, zu Schuppen und technischem Gerät zu kommen, baute sich Zeiß eine kleine Treppe aus dem Küchenfenster ins Freie. Nicht nur praktisch, sondern beim Hochwasser 1954 sehr hilfreich, weil von dort aus die Bewohner des Parkgewächshauses per Schlauchboot an Seilen bis zur Rotunde „an Land“ gezogen werden konnten. Hinter dem Haus gab es Hühner und Hasenstall. Sie berichtete auch, dass Zeiß streng und konsequent sein konnte, wenn es um die Ordnung im Park ging. Wegbegrenzungen aus Eisenbändern sollten verhindern, dass die Parkbesucher die Rasenflächen betraten. Und es gab im Park einen Parkwächter, der per Dienstfahrrad, daran das Schild „Parkwächter“, für Ordnung sorgte. Zeiß‘ „Dienstfahrzeug“ war sicher häufig die „Dieselameise“ (oder „Eidechse“), ein fußtrittgelenktes Pritschenfahrzeug, produziert in den 1950er und 1960er DDR-Jahren. Die Schwaneninsel erreichte man bei Bedarf über ein großes Brett, verwahrt und verschlossen an einer alten Rotbuche, mit dem man das Wasser bis zum Steg auf der Insel überbrückte.

Am 18. März 1987 verstarb Willi Zeiß in seiner Greizer Wohnung. Die Nachfolge als Parkchef trat 1978 sein langjähriger Mitarbeiter Gartenbauingenieur Fridolin Schwarz an (bis 1998).

Christian Wonitzki, März 2021

Bildnachweise: Sammlung Deutscher, Karsten Maiwald, Gisela Geßner. Wir danken herzlich für die Bereitstellung der Fotos.

Bedeutende Persönlichkeiten der Parkgeschichte - Christa Bretschneider

Christa Bretschneider (1925 - 2003) schuf die Grundlagen der Parkpflegekonzeption für das „Gartendenkmal Greizer Park“

Nahezu einhundert Jahre, nachdem Carl Eduard Petzold und Rudolph Reinecken 1873 dem Greizer Park seine auch heute noch prägende Gestalt gaben waren Pflege- und Erhaltungsdefizite in einem bedenklichen Umfang aufgelaufen. Ab Mitte der 1960er Jahre forderten engagierte Greizer Persönlichkeiten um den damaligen Direktor des Sommerpalais Dr. Werner Becker in der „Gesellschaft der Freunde des Greizer Lenin-Parks“ wiederholt, „deutliche Eingriffe und Pflegemaßnahmen zum Erhalt und zur Rekonstruktion des Parks“ zu initiieren. Dabei ging es nicht nur um landschaftsgestalterische und Gehölzpflegearbeiten, sondern auch um die Erarbeitung fehlender Bestands- und Anlagenpläne. Die Stadt Greiz als Rechtsträger des Parks war überfordert; trotz verschiedener Impulse im Umfeld des 100-jährigen Jubiläums der Parkneugestaltung 1973, Maßnahmen einzuleiten und Investitionen zu tätigen, kam es nicht zu nachhaltigen Fortschritten. Allein der zu Recht gewürdigten Arbeit der Parkgärtner unter der Leitung von Gärtnermeister Willi Zeiß war es wohl zu danken, dass immerhin das landschaftspflegerisch Machbare für den Park geleistet wurde.

Immerhin lag 1977 als erster wichtiger Schritt das Aufmaß des Greizer Parks mit einem Baumkataster, angefertigt vom ehrenamtlichen Kreisbeauftragten für Denkmalpflege, Dipl.-Ing. Hans Richter, der sog. „Richter-Plan“, vor. Er bildete über viele Jahre eine unverzichtbare Grundlage für die Parkpflege.

Ende 1975 finden sich erste Belege für einen Tätigkeitsbeginn der Gartenarchitektin und Denkmalpflegerin Christa Bretschneider für den Greizer „Lenin-Park“. Angeregt wurde ihr Engagement offenbar durch frühere Beratungstätigkeiten des Nestors der Gartendenkmalpflege der DDR Hermann Schüttauf in Greiz. Schüttauf war der Onkel Christa Bretschneiders, mit dem sie beruflich zusammenarbeitete. Wohl auf dieser Verbindung basierte ihre Entscheidung, die Aufgabenstellung zu übernehmen, für den Greizer Park Maßnahmen zu seiner Regeneration und perspektivischen Entwicklung zu erarbeiten.

Christa Bretschneider (1995)

Christa Bretschneider, geboren am 08.12.1925 in Oberplanitz, absolvierte nach dem Abitur eine Gärtnerausbildung im väterlichen Betrieb und schloss 1948 die höhere Gartenbauschule in Pillnitz als staatlich geprüfte Gartenbautechnikerin, Fachrichtung Gartengestaltung, ab. 1951 heiratete sie den praktischen Tierarzt Dr. Bernhard Bretschneider. Bis an ihr Lebensende wohnte Bretschneider in Reinsdorf, einem Ortsteil von Zwickau.

Nach anfangs kleineren Aufträgen übernahm sie in den 1970er bis Anfang der 1990er Jahre vorwiegend im sächsischen Raum die Bearbeitung zahlreicher Grün-, Landschafts- und Freiflächengestaltungspläne für vielfältige Objekte, denkmalpflegerisch ausgerichtete Analysen, Planungen, Kostenrechnungen für historische Parkanlagen - häufig sehr komplexe und anspruchsvolle Aufgaben, die sie dank ihres enormen Fleißes mit immer wieder gelobten Ergebnissen bewältigte. Ab 1992 musste sie ihre Berufstätigkeit, bedingt durch mehrere schwere Erkrankungen, einschränken und schließlich aufgeben. Christa Bretschneider starb am 10.8.2004 in einem Pflegeheim.

Zu ihrem Wirken in Greiz. Aus 1977 existiert in ihren Arbeitsunterlagen der Entwurf einer Honorarvereinbarung mit der Stadt Greiz zur „fachlichen Beratung und Anleitung für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung des Parks“, die den offiziellen Beginn ihrer Tätigkeit in Greiz widerspiegelt. 1978 erstellte Christa Bretschneider eine Gehölzanalyse auf Basis des „Richter-Plans“. 1981 übergab sie die „Denkmalpflegerische Analyse zum Leninpark“, die von einer kritischen Bestandsanalyse geprägt ist, an die Stadt Greiz und das Institut für Denkmalpflege. Aufbauend auf dieser Analyse entstand im August 1985 die „Denkmalpflegerische Rahmenzielstellung für den Leninpark“, beteiligt war dabei auch der Kreisdenkmalpfleger Eichhorn für den Teil „Gebäude“. In der Folge wurde diese Rahmenzielstellung von den „Staatsorganen“ genehmigt und damit „Grundlage für alle Maßnahmen am Denkmal Leninpark“. Inhalt der Rahmenzielstellung sind auch Anforderungen an den Umgebungsschutz des Parks, Vorschläge für die Gliederung des Denkmals in Teilbereiche (mit Teilzielstellungen), Maßnahmepläne und eine detaillierte Grobkostenschätzung für den Zeitraum 1985 - 1990 (Gesamtsumme: 1,3 Mio. Mark!).

Entscheidendes zur Umsetzung dieser grundsätzlichen Forderungen für den Greizer Park passierte in der Folge nicht, der chronische Mangel an Geld für Investitionen, Pflegetechnik und Personal beim Rechtsträger Greiz waren wohl die maßgeblichsten Gründe. Auch in den ersten Jahren nach der Wende sind unverändert besorgte und kritische Wortmeldungen von ihr zu Defiziten in der Parkentwicklung nachweisbar. Christa Bretschneider ging es immer auch um geeignete und ausreichende personelle und technische Ressourcen für den Park. Qualifizierte Fachkräfte, die Herauslösung des Parks aus dem Pool der sonstigen städtischen Grünanlagen, aber auch Fragen des „Umgebungsschutzes Park“ sind Themen, die sie umtrieben. Ab etwa 1993 musste sie sich wegen zunehmender gesundheitlicher Probleme „wider Willen“ aus der Betreuung des Greizer Parks zurückziehen.

Und somit zeigt sich auch am Beispiel des Greizer Parks der „Segen“ der politischen Wende 1989. Belegen doch die Arbeitsunterlagen aus dem Bretschneiderschen Nachlass anschaulich, wie aussichtslos ihr Engagement um die Abstellung von Mängeln und die Durchsetzung der gartendenkmalpflegerischen Priorität gegenüber konkurrierenden volkswirtschaftlichen Zwängen bis 1990 häufig war. Die nachhaltige Verbesserung der Rahmenbedingungen für Regeneration, Pflege und Entwicklung des Greizer Parks setzte schließlich 1994 ein, mit der Übernahme des Parks in das Eigentum und in die Verantwortung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Um die wertvolle fachliche Arbeit Bretschneiders zu würdigen, muss man sich einerseits den (oft kaum bedachten) Umstand klar machen, dass der Park den Entwicklungszeitraum von rund einhundert Jahren brauchte, um von der gestalterischen Idee seiner Schöpfer zum erlebbaren Ist zu gelangen. Zum anderen hätte dieser Werdeprozess natürlich intensive pflegerische (und forschende) Betreuung benötigt, was in den oft schwierigen Zeitläufen nicht gewährleistet war.

Ihre „Denkmalpflegerische Analyse für den Leninpark Greiz“ beginnt mit der Feststellung, dass „der Greizer Leninpark zu den letzten großartigen Landschaftsparken des späten 19. Jahrhunderts zählt,… der alle wichtigen Merkmale der Gartenkunst dieser Zeit zeigt“. Die Gestaltung der Anlage entspräche dem Ideengut des klassischen Landschaftsgartens, „ist aber doch vielseitiger in seinen landschaftlichen Möglichkeiten … und merklich fortgeschrittener in der Richtung auf den gärtnerischen Realismus.“ Und weiter: „Die künstlerische Qualität des Parks liegt in seinem großartigen perspektivischen Aufbau, der wirkungsvoll durch die die Anlage beinahe räumlich umschließende Landschaft gesteigert wird. Der Park gewinnt durch geschickte optische Einbeziehung dieser Umgebung an Weite und Großartigkeit.“ Bretschneider setzt sich in der Folge zunächst mit der Parkentwicklung unter Petzold und Reinecken auseinander und leitet dann über in eine umfassende Bestandsbeschreibung, verbunden mit einer respektablen Mängel-Liste. Die Beschreibung des Bedarfs, diese „gestalterischen und funktionellen Unzulänglichkeiten“ zu korrigieren und zu beheben ist dann Gegenstand von Forderungskatalog und Maßnahmeplan in der „Denkmalpflegerischen Rahmenzielstellung für den Leninpark Greiz“. „Grundsätzliche denkmalpflegerische Forderungen“ wurden von ihr für insgesamt 12 Teilbereiche des Parks erarbeitet. Dabei ging es auch um die Qualifizierung der Parkgärtnerei sowie umfangreiche Grundlagenforschungs- und Dokumentationsverpflichtungen.

Helmut Wiegel, der Chefplaner des Fürstlich Greizer Parks (wie dieser seit 2009 in Anerkennung der Verdienste des Fürstenhauses Reuß ä.L. um den Greizer Park heißt), nutzte die Arbeiten Christa Bretschneiders für die Fortschreibung der inzwischen in 16 Teilbereiche aufgegliederten denkmalpflegerischen Rahmenzielstellung. Eingang in die Parkpflegekonzeption der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten fanden auch naturschutzfachliche Untersuchungen.

Christa Bretschneider war auch maßgebliche Autorin des beliebten „Kleinen Führers durch den Greizer Leninpark“ (erschienen 1980), in dem ausführlich besondere Exemplare und Arten der Gehölzbestandes vorgestellt wurden. Damit begründete sie eine wichtige und viel genutzte Informationsmöglichkeit für Parkbesucher, die heute in Gestalt der 2020er Auflage des Gehölzführers „Schätze der Pflanzenwelt im Fürstlich Greizer Park“ verfügbar ist.

Leider ist Christa Bretschneider, diese bescheidene, ungeheuer fleißige und kompetente Fachfrau, wohl nur Eingeweihten noch in Erinnerung. Dabei ist ihre Arbeit für den Greizer Park nicht nur als umfassend, tiefgründig und geradezu existentiell zu charakterisieren, vielmehr lieferte sie mit ihren Analysen und Konzeptionen Ende der 1980er Jahre eben das Fundament dessen, was die heutige Eigentümerin des Parks, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, als Hauptziel mit oberster Priorität verfolgt, nämlich „den Greizer Park in seiner Raumstruktur, in seiner Wirkung und gartenkünstlerischen Aussage dem nach 1873 verwirklichten Zustand wieder anzunähern“. Diesem Anspruch ordnet sich alles Tun im Park - bis in jedes kleine Detail - unter.

Der umfangreiche, dem „Leninpark Greiz“ (1976 - 1993) zuzurechnende fachliche Nachlass Christa Bretschneiders lagert heute, leider ungeordnet und unaufbereitet, im Parkgewächshaus. Es wäre sehr zu wünschen, dass dieser Fundus erhalten und wissenschaftlich verwertet wird.

Quellen: Archivalische Unterlagen „Nachlass Christa Bretschneider“, Parkverwaltung Fürstlich Greizer Park; „Der Greizer Park. Garten - Kunst - Geschichte. Denkmalpflegerische Konzeption.“ Berichte der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Band 3, 2000. Herrn Christoph Bretschneider wird herzlich für die Bereitstellung von Fotos gedankt.

Christian Wonitzki, April 2022