Elly-Viola Nahmmacher und der Greizer Park - zum 20. Todestag der Greizer Bildhauerin am 5. Mai 2020

von Christian Wonitzki (Kommentare: 0)

„Nur wenn die Linden blühen, umgibt mich ein Hauch von Sehnsucht und Wehmut nach Greiz.“

Elly-Viola Nahmmacher hat mit ihrem religiösen bildhauerischen Schaffen, dessen Werke in über 110 Orten quer durch Deutschland zu finden sind, nicht nur die Stadt Greiz, sondern auch den Greizer Park bekannt gemacht. 

Geboren am 27. Mai 1913 in Gera lebte und arbeitete Nahmmacher ab 1921 mit wenigen Jahren Unterbrechung in Greiz, davon lange Jahre in der Carolinenstraße 63 mit dem nahen Ateliergarten. 1993 erfolgte (aus gesundheitlichen Gründen) der Umzug zur Tochter Silke nach Weimar, wo sie am 5. Mai 2000 verstarb. Ihre Beisetzung erfolgte auf eigenen Wunsch auf dem Neuen Friedhof in Greiz. 1993 ehrte die Stadt Greiz sie mit der Bürgermedaille in Gold, 1994 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Seit 2004 trägt eine Straße in Greiz ihren Namen.

Nahmmacher arbeitete im Laufe ihres Lebens mit einem reichen Material- und Formenrepertoire, oft in Kombination (Metall, Stein, Keramik, Epoxidharz, Edelsteine), bis Holz ihr eigentlicher Werkstoff wurde. Die Intension Nahmmachers folgt der Struktur des Holzes, Hohlform und durchbrochene Struktur werden im Laufe der Zeit ihre wichtigsten Gestaltungselemente. Als gläubige, auch anderen Religionen gegenüber offene Bildhauerin empfand sie ihre Kunst zeitlebens als einen lebendigen Dialog mit dem Schöpfer und seiner Schöpfung  (Arenhövel 2009).

Besonders hervorhebenswert ist ihre Arbeit „Feuer-Apokalpyse“ (1977), das Grabmal für Pfarrer Oskar Brüsewitz, das von der Staatssicherheit beschlagnahmt wurde.

Wenn im Greizer Park einer der altehrwürdigen Bäume seinem Alter oder dem Windbruch zum Opfer fiel gab es für das oft knorrige bizarr gewachsene Holz eine begeisterte Abnehmerin, die Holzbildhauerin Elly-Viola Nahmmacher.

1998 schrieb sie: „Greiz - kein geographischer Begriff - mehr ein religiöser Vorgang. Da ist ein ehemals fürstlicher Park mit teils sehr alten Bäumen - mit Alleen, Zypressen, Linden - und natürlich Blumen. Bei jedem Sturm stürzen die kernfaulen mächtigen Bäume um. Am anderen Morgen kommt ein kleiner Lieferwagen mit ausgesuchten bizarren Ästen und Stämmen jeder Stärke und Länge in das Gartenatelier am Ende der Carolinenstraße. Da beginnt die bezaubernde Arbeit des Nachdenkens, was in den jeweiligen Baumstücken drin sein könnte, welcher Art die Plastiken sein könnten, aber das hat noch viel Zeit.“

Beispiele: Die komplette Neugestaltung des Altarraums der Katholischen Kirche St. Antonius in Chemnitz (1976) umfasste auch den Tabernakel. Zu dessen Unterbau teilte Nahmmacher mit, dass dieser „aus einer 3 Meter starken Linde aus dem ehemals Greizer fürstlichen Park stammt, wo diese alten Bäume in großer Stille gewachsen sind und so eine besondere Voraussetzung bilden vom Standort her.“ Der „Werdauer Altar“ in der Katholischen Kirche St. Bonifatius, ca. 80 cm hoch, teilweise mit Blattgold belegt, figürlich beidseitig gestaltet, entstand 1990 aus sechs Linden-Baumstämmen, gewachsen im Greizer Park und einem Sturm zum Opfer gefallen.

Nahmmacher-Werke finden sich in vielen Dorfkirchen und kirchlichen Einrichtungen im Greizer Umland und zeugen zugleich von ihrem künstlerischen Werdegang. Nur wenige Beispiele: Dorfkirche Tschirma (Lindenrelief „Pfingsten“, 1967), Dorfkirche Nitschareuth (Birnbaum-Kreuz, 3,60 m hoch, 1957), Friedhofskapelle Elsterberg („Elsterberger Pietà“, eine Darstellung Marias als Schmerzensmutter mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus, mit der sie den plötzlichen Tod ihrer Eltern verarbeitete, Lebensbaum, 1965), Dorfkirche Döhlen (Schnitzarbeit „Heiliger Michael“ zur Erinnerung an die Opfer der Weltkriege, Kastanie, 2,20 m hoch, 1964), Dorfkirche Caselwitz (Krippengrotte, Linde, teilvergoldet, 1985), Dreieinigkeitskirche Zeulenroda (Lesepult mit reliefartigen Schnitzereien, 105 cm hoch, 1975), Kirchgemeindehaus Greiz-Gommla (prachtvolles Osterkreuz auf dem Altar, Kupfertreibarbeit, 1972 und weitere Stücke wie ein Osterleuchter mit Durchbrüchen aus Linde, 78 cm hoch, Gedächtnismal für die Gefallenen des 2. Weltkrieges), Katholische Kirche St. Elisabeth Reichenbach (Beispiel einer Kirchengesamtgestaltung 1974), Katholische Herz-Jesu-Gemeinde Greiz-Neustadt (Kreuzweg aus 14 Lindenholzreliefs, 1984).  

Quellen:

  • Festgabe der Stadt Greiz zum 80. Geburtstag der Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher, Edition Schwarz Weiss, 1993
  • Informationstext der Röm.-kathol. Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz, Gemeinde St. Antonius: „Elly-Viola Nahmmacher. Die alten Bäume des Greizer Parks.“ (2003)
  • Greizer Heimatbote 1993, S. 2: Winfried Arenhövel: Rezension des Buches von Uwe Grüning: „Elly-Viola Nahmmacher - Ein Leben - ein Werk“
  • Greizer Heimatbote 1998, S. 173: Elly-Viola Nahmmacher: „Ein Bildhauerleben in Greiz“
  • Greizer Heimatbote 2009, S. 243: Winfried Arenhövel: „Auf Nahmmacher-Spuren im Greizer Land“
  • http://www.hl-geist-werdau-crimmitschau.de/gemeinde-st-bonifatius-werdau/st-bonifatius-kirche/beschreibung.html

Zurück