Die "Ida-Höhe" - ein lohnenswerter Ausflug

von Christian Wonitzki (Kommentare: 0)

Zur harmonischen Gesamtwirkung des Fürstlich Greizer Parks trägt auch seine bewusste, enge Verflechtung mit der umgebenden Landschaft bei. Nicht nur größer und weiter erscheint der Park dadurch, das Parkerlebnis gewinnt vor allem durch gezielt geführte Ausblicke in die Umgebung (z.B. Weißes Kreuz, Oberes Schloss, Pulverturm, Gasparinentempel).

Die Väter der heutigen Parkgestaltung, Petzold und Reinecken, überlegten in den 1870er Jahren sogar, das ganze Elstertal und die angrenzenden Hügel zu einem „Wandergarten“ auszugestalten. Am konkretesten gediehen Pläne für einen großen Umfahrungsweg, der den Park mit dem linken Elsterufer verbinden sollte. Offensichtlich vor allem wegen der Hochwassergefährdung - die sog. „Neue Welt“, die große Wiese zwischen Gommlaer Berghang und Elster, liegt nur einen knappen Meter über dem mittleren Elsterwasserstand - wurde diese Überlegung nicht verwirklicht.  

Dagegen hat Rudolph Reinecken 1876 auf Anregung des Fürsten Heinrich XXII. (1846 - 1902) das „Tal der elften Stunde“ hinauf zur „Ida-Höhe“ gartenkünstlerisch gestaltet.

Reinecken selbst berichtet darüber, dass Heinrich XXII. ihm eines Tages sagte, er habe im Walde eine Stelle mit herrlicher Aussicht entdeckt und beauftragte ihn, Vorschläge zu machen, wie man sie durch die Anlage von Wegen zugänglicher machen könne. Mit den Plänen war der Fürst außerordentlich zufrieden, und unter Reineckens Oberaufsicht begann die Ausgestaltung des „Tales der elften Stunde“ (der Name entstammt einer bergmännischen Bezeichnung) ganz im Sinne der Romantik. Nadelbäume wurden entnommen und die entstandenen Lücken mit gärtnerischen Mitteln unter Wahrung des natürlichen Charakters des kleinen Tals verschönt.

Die „Ida-Höhe“, eine Lichtung am oberen Ende des Tals, erhielt ihren Namen zu Ehren der Frau Heinrichs XXII., der Fürstin Ida zu Schaumburg-Lippe (1852–1891). Nach Fertigstellung der Anhöhe wurde dieser Ort wegen des reizvollen Ausblicks und der bewaldeten Umgebung zu einem der Lieblingsplätze der Fürstenfamilie. Ein später auf Wunsch des Fürsten angelegter Fahrweg ermöglichte es, die „Ida-Höhe“ mit Gästen bequemer erreichen zu können.

Am 19. April 1914, zwölf Jahre nach dem Tod Heinrich XXII., setzen ihm seine Kinder unter großer Anteilnahme der Greizer Bevölkerung auf der „Ida-Höhe“ ein Denkmal. Wiederum Reinecken war es, der ein steinernes Monument aus Porphyroid-Brocken, herangeschafft von den nahen Klingensteinen, in Form einer Pyramide aufrichten ließ, in dessen Spitze ein Bronzebildnis des Fürsten eingelassen war. Die Originaltafel ging zwischen den Weltkriegen verloren, nach 1945 wurde sie durch eine Kunststeinplatte mit dem Goethe-Zitat „Über allen Wipfeln ist Ruh“ ersetzt.

Geschichtsbewussten Greizern ist es zu danken, dass seit April 2020 wieder das Konterfei Heinrich XXII. das Denkmal auf der „Ida-Höhe“ schmückt. Jörg Metzner, Hagen Rüster, Sven Klein, Rainer Koch und Christian Espig organisierten eine private Spendenaktion und schufen die künstlerische Voraussetzung für die Neuanfertigung der Gedenktafel. Eine zusätzliche Aufwertung erhielt das Areal durch die Aufstellung einer nach historischem Vorbild gefertigten Sandstein-Bank. Ermöglicht hat dies eine großzügige Spende von Dr. Gisela Baronin Schenck zu Schweinsburg, Enkelin der jüngsten Reußenprinzessin. 

Hervorhebenswert ist tatsächlich die reizvolle Sichtachse auf das Obere Schloss und Teile von Greiz, die sich nach einigem Probieren als interessanter Durchblick, umrahmt von Buchenlaub, vom Platz der „Ida-Höhe“ ergibt. Und - das mag manchen überraschen - man befindet sich (eigentlich) in einem dem Fürstlich Greizer Park zuzurechnenden Areal.  

Nachtrag: Im gerade erschienenen "Greizer Heimatkalender 2021" findet sich ein lesenswerter Beitrag zur "Ida-Höhe" und ihrer Geschichte, Autor Jörg Metzner.

Quellen:     

  • Ilse Stappenbeck: Der Park zu Greiz, Bernhard Sporn-Verlag Zeulenroda, 1939
  • Staatliche Museen Greiz: Der Greizer Leninpark, 1971
  • Diethard Fricke: Das Vogtland um Greiz, TITV e.V., Regionalmanagement der Region Greiz, 2013
  • OTZ Greiz, 18.10.2017
  • Vogtlandspiegel, 2.4.2018

 

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