Bombenopfer im Greizer Park

von Christian Wonitzki (Kommentare: 0)

Auf dem Neuen Greizer Friedhof gibt es ein Gräberfeld mit vielen Holzkreuzen. Auffällig ist, dass vier nebeneinander stehende den gleichen Namen „Meißner“ tragen: Meißner - Klara, Maria, Anna und Josef.

Laut Angaben auf den Grabkarten erfolgte die Beisetzung der vier Toten am 31. Mai 1944, gestorben sind sie am 28. Mai 1944 im Greizer Park.

In den Ausgaben des „Greizer Kurier“ vom 30.5.1944 bis zum 1.6.1944 wird über einen Luftangriff vom 28. Mai 1944 auf Greiz berichtet.  Am Pfingstsonntag, bei schönstem Frühlingswetter, hätten „nordamerikanische Terrorbomber Greiz mit Sprengbomben und Bordwaffenbeschuss heimgesucht“. Als viele Ausflügler unterwegs waren, seien „ein Sportplatz, Spaziergänger auf einer stark belebten Ausflugsstraße und die Spaziergänger am Weißen Kreuz“ Ziele des Angriffs gewesen.

Die Familie Meißner sei „beim Gang durch den Greizer Park getroffen worden“. Es findet sich eine Todesanzeige mit den Namen Josef (geb. 13.10.1905), Klara (geb. 1.8.1905), Anna (geb. 17.4.1935) und Maria (geb. 28.11.1936). Die beiden Kinder werden als Pflegekinder bezeichnet.

„Das unübersichtliche Wald- und Wiesengelände“ sei sofort gesperrt und nach etwa weiteren getroffenen Ausflüglern abgesucht worden. Die materiellen Schäden seien zum Glück gering.  

Vom Greizer Stadtarchiv werden die Todesfälle beim Luftangriff am 28. Mai 1944 bestätigt. Allerdings bleibt unklar, wo genau dieser Angriff in Greiz bzw. im Parkgelände stattfand.

Die Stadt ist im Zweiten Weltkrieg eher nicht Gegenstand gezielter Angriffe gewesen. Bombenschäden resultierten vielmehr aus dem üblichen Abwerfen übrig gebliebener Munition beim Rückflug vom eigentlichen Angriffsziel (z.B. die Treibstoff-Industrieregionen in Mitteldeutschland).

Im Buch von Günter Sagan „Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945“ werden sehr detailliert die Bombenangriffe auf Greiz beschrieben. Danach erlitt Greiz Angriffe am 28.5.1944, am 30.11.1944 und am 6.2.1945. 

     

Im aktuellen Park-Gehölzführer („Schätze der Pflanzenwelt im Greizer Park“) findet sich unter der Baum-Nr. 119 Blut-Buche (Fagus sylvatica „Atropunicea“) folgende Information: „An dieser Stelle stand bis zum 2. Weltkrieg eine sehr alte Blut-Buche, die durch einen Bombentreffer zerstört wurde. Nachpflanzung gleicher Art.“

Die Angaben wurden vom Autor Jens Scheffler offensichtlich dem alten Baumkataster (1980er Jahre) entnommen: „Karteikarte 1/45, Planquadrat D3, Karte 1/76/002: Buche, Solitärbaum, Altbaum. Baum auf der Wiese links des Arbeiterweges, im Abschnitt zwischen Parallelweg zur Parkgasse und Mittelweg. Verlorengegangen durch Sprengbomben am 6.2.1945. Keine weiteren Angaben möglich. Ersetzt durch Blutbuche an fast der gleichen Stelle.“

Die Nachpflanzung soll etwa 1950 erfolgt sein, der heute stattliche Baum ist also schon ca. 70 Jahre alt.

Quellen:

  • Stadtverwaltung Greiz: Mündliche Mitteilungen von Frau Pinks und Frau Markowski
  • Greizer Kurier, Ausgaben vom 30.5.1944 bis 1.6.1944 (Thüringisches Staatsarchiv Greiz)
  • Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945 (Michael-Imhof-Verlag, Petersberg, 2013)
  • Schätze der Pflanzenwelt im Greizer Park (Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 2009)
  • Parkverwaltung Greiz: E-Mail vom 8.2.2019

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